Vor dem Botkin-Krankenhaus in Moskau, einem der angesehensten Spitäler der Sowjetunion, wartete eine junge amerikanische Journalistin auf ein Interview, als ein Mann im Schlafanzug und Bademantel an ihr vorbeispazierte, begleitet von einem Freund. Sie erkannte ihn auf den ersten Blick: Dmitri Shepilov, der ehemalige Außenminister, kurz zuvor als Mitglied der sogenannten „Antiparteigruppe" um Malenkow, Molotow und Kaganowitsch in Ungnade gefallen. Höflich trat sie auf ihn zu, erinnerte ihn an ein früheres Gespräch bei einem Botschaftsempfang und wünschte ihm gute Besserung. Shepilov sah sie direkt an und sagte: „Sie irren sich; ich bin nicht Shepilov." Die Zensur strich die Szene später aus ihrem Artikel – ließ aber die Erwähnung seiner Krankheit stehen.
Es ist eine kleine Geschichte, und doch enthält sie fast alles, was Colette Shulman ausmachte: den unerschrockenen Mut, einen gefallenen Mächtigen einfach anzusprechen; den scharfen Blick für das Groteske und Komische eines Systems, in dem ein Mann seine eigene Existenz leugnen musste; und die stille Wut über eine Zensur, die selbst die absurdesten Wahrheiten unterdrückte. Über vier Jahrzehnte hinweg machte sie es sich zur Lebensaufgabe, hinter die Fassade dieses Systems zu blicken – und den Amerikanern zu zeigen, dass dort, jenseits des Eisernen Vorhangs, Menschen lebten.
Colette Shulman wurde am 1. Januar 1932 in New York City als Colette Schwarzenbach geboren. Sie wuchs in einer Familie auf, die sie selbst Jahrzehnte später treffend beschrieb: „Ich komme, ich würde es eine sehr schweizerische, bürgerliche, mittelständische Familie von Bauern und Lehrern und Winzern und Schreinern nennen." Ihre Eltern lebten in Great Neck auf Long Island. Es gab keinerlei familiäre Verbindung zu Russland – kein Großvater, der ausgewandert war, keine Briefe aus Moskau, keine Wurzeln im Osten. Gerade das macht die Leidenschaft, die ihr Leben prägen sollte, so bemerkenswert.
Der Funke entzündete sich am Wellesley College, wo sie Geschichte studierte. Nach einem Auslandsjahr an der University of Edinburgh kehrte sie zurück und stieß auf einen Kurs, der ihr Leben verändern sollte: „Russia in Transition: A Century of Russian Civilization" – eine Reise durch russische Geschichte, Gesellschaft und das Denken von Tolstoi, Dostojewski und Lenin. „Er hat mich absolut fasziniert", erinnerte sie sich 2017 in einem Oral-History-Interview. Bezeichnend ist eine kleine Episode: In ihrer Erinnerung hatte sie den Kurs immer als „Nineteenth Century Russian Intellectual History" bezeichnet – bis sie kurz vor jenem Interview im alten Wellesley-Katalog nachschlug und den eigentlichen Titel entdeckte. Was sie mitgenommen hatte, war nicht der Name, sondern die Ideen. Sie hatten sich so tief in ihr Denken gegraben, dass die äußere Hülle längst verschwunden war.
Der zweite entscheidende Moment kam im März 1953, kurz vor ihrem Abschluss: Stalin starb. „Das eröffnete die Frage", sagte sie, „Was würde dort drüben passieren? Welche Möglichkeiten gäbe es?" Diese Neugier, geboren aus einem akademischen Funken und dem Tod eines Tyrannen, trieb sie ihr ganzes Leben an.
Noch im selben Jahr begann sie ihr Graduiertenstudium am Russian Institute der Columbia University – dem späteren Harriman Institute –, als eine der wenigen Frauen im Programm. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitete sie im ersten Jahr als Au-pair. Sie durchlief ein intensives zweijähriges Russisch-Programm unter dem legendären Lehrer Bob Hankin, der seine Klasse Tag für Tag mit frisch mimeographierten Unterrichtsmaterialien fütterte. Professoren wie Philip Mosely, Geroid T. Robinson, Ernest Simmons, Abram Bergson und John Hazard prägten ihr Denken nachhaltig. 1955 schloss sie mit einem Master in russischer Geschichte ab. Das Selbstvertrauen, das sie dem Wellesley College verdankte, sollte sie schon bald an einem ungewöhnlichen Ort einsetzen: „Es ließ uns das Gefühl haben, dass wir Dinge im Leben tun können, dass wir weitergehen und erkunden können."
1955 kam sie nach Moskau – auf Einladung der US-Botschaft, um die Anglo-American School zu leiten. Sie wohnte im Spaso House, der Residenz des amerikanischen Botschafters. Es war ein außergewöhnlicher Einstieg in das sowjetische Leben, gerade einmal zwei Jahre nach Stalins Tod, in einer Zeit, in der Chruschtschow die Verbrechen seines Vorgängers in seiner Geheimrede verurteilt hatte. Hier, in einer Welt im Umbruch, traf sie Chruschtschow selbst.
1956 holte Henry Shapiro, der Büro-Chef der United Press, sie ins Moskauer Büro. Damit wurde Colette Shulman zur einzigen amerikanischen Frau, die als Vollzeit-Korrespondentin beim sowjetischen Pressedepartment registriert war. Weil ihr Geburtsname Schwarzenbach zu lang für die Zeitungsspalten war, schrieb sie unter dem Pseudonym „Colette Blackmoore".
Die Bedingungen für westliche Journalisten waren erdrückend. „Wir wurden in unserer Berichterstattung ernsthaft herausgefordert", schrieb sie später. „Keine Reisen außerhalb Moskaus ohne Erlaubnis, und dann nur in die wichtigsten Hauptstädte der Sowjetrepubliken." Über die allgegenwärtige Überwachung sagte sie: „Alles war darauf eingerichtet, uns zu beobachten, uns zu folgen … es gab viele von ihnen und nur wenige von uns."
Doch statt sich einschüchtern zu lassen, schuf sie sich einen eigenen Berichtsbereich. „Während jener ersten Wochen im Herbst 1956, in denen ich die Routine der Nachrichtenagentur aufsog, hatte ich etwas freie Zeit und beschloss, mir meine eigene Sphäre der Berichterstattung zu erschaffen." Bewaffnet mit nichts als ihrem flüssigen Russisch und ihrem Selbstvertrauen, lief sie durch Moskaus Straßen, betrat Geschäfte, Schulen und jedes Gebäude, wo etwas Interessantes zu geschehen schien. „Ich war eine amerikanische Journalistin, die darauf aus war, den Lesern im Ausland zu zeigen, wie das Alltagsleben in Moskau aussah."
So entstanden Dutzende Reportagen – über sowjetische Autos, über das russische Fernsehen, über das neu legalisierte Recht auf Abtreibung, über Abiturienten, die auf dem Roten Platz feierten und dann zum Fluss zogen, um den Sonnenaufgang zu begrüßen. Es war ein Journalismus der kleinen Wahrheiten, der das menschliche Gesicht eines Landes zeigte, das die meisten Amerikaner nur als bedrohliches Abstraktum kannten.
Auf diesen Streifzügen lernte sie auch die Babuschki kennen, die Großmütter, die das kollektive Verantwortungsgefühl des russischen Dorfes in die Stadt mitgebracht hatten. Sie dachten nicht daran, eine fremde junge Frau im Winter ohne Hut einfach vorbeigehen zu lassen – sie sprachen sie an und befahlen ihr, den Hut aufzusetzen. Und als Shulman einmal auf Zehenspitzen um eine Kirche schlich, um die Ikonen zu betrachten, flüsterte ihr eine alte Frau zu: „Devushka, eto ne muzei" – „Junge Frau, das ist kein Museum." Solche Begegnungen formten ihr Verständnis der russischen Gesellschaft tiefer als jede offizielle Pressemitteilung.
Es gibt einen Moment in Shulmans Karriere, der über die Jahrzehnte hinweg leuchtet. Am Morgen nach der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises für Boris Pasternak im Herbst 1958 fuhr sie nach Peredelkino, die Schriftstellerkolonie außerhalb Moskaus. Pasternak empfing sie. Sie stellte ihm eine einfache Frage – und der Dichter antwortete mit einem fünfzehnminütigen Monolog. Er sprach über die wissenschaftlichen Errungenschaften des Jahrhunderts, über die veränderte Rolle des Schriftstellers, über die französische Übersetzung von „Doktor Schiwago", die ihn zum Weinen gebracht hatte. Und dann, nach dieser langen, fließenden Rede, kehrte er zu ihrer ursprünglichen Frage zurück und beantwortete sie „schlicht und auf den Punkt".
Shulman war gebannt. „Es gab eine kindliche Qualität an ihm – eine Verletzlichkeit – zusammen mit einer enormen Konzentrationskraft", schrieb sie später. „Sein langes, knochiges Gesicht war voller Ausdruck und Wärme – ich war völlig fasziniert." Wenige Tage später sagte ihr Pasternaks Frau Zinaida: „Ich werde so gut für ihn kochen, wie ich kann; und wir werden hier still leben, ohne Interviews, ohne Aufruhr."
Doch die Stille kam nicht. Die sowjetische Zensur hielt Shulmans Artikel vierundzwanzig Stunden zurück, und dann brachen die offiziellen Angriffe los: Die Prawda und die Literaturnaja Gazeta brandmarkten Pasternak als „Verräter" und „unmoralischen Schriftsteller zweiter Klasse". Für Shulman war es ein Schock. „Es war unmöglich", schrieb sie, „den Pasternak, dem ich zugehört hatte, in diesen Angriffen wiederzuerkennen." Hier zeigte sich der Kern ihrer Lebensüberzeugung: die Kluft zwischen dem Menschen und der Propaganda, zwischen dem Individuum und dem System.
1959 verließ sie Moskau, um UPI-Korrespondentin bei den Vereinten Nationen zu werden. Beim Abschied schrieb UPI-Vizepräsident Roger Tatarian an Büro-Chef Henry Shapiro einen Satz, der zur Legende wurde: „We will never find another Colette."
Zurück in Amerika übersetzte Shulman ihre Erfahrungen in eine neue Form. 1960 startete auf WGBH Boston ihr wöchentliches Fernsehprogramm „Soviet Press This Week" – fünfzehn Minuten, in denen sie sowjetische Politik, Gesellschaft, Literatur und Außenpolitik einem amerikanischen Publikum erklärte. Das Programm lief auch in New York, Washington, San Francisco und anderen Städten. Sie schöpfte aus der sowjetischen Tagespresse und aus Literaturzeitschriften wie Novy Mir, um Solschenizyn, Nekrassow und die „Dorfschriftsteller" einem Publikum nahezubringen, dem die Sowjetunion, wie ihre langjährige Freundin Katrina vanden Heuvel es ausdrückte, „undurchsichtig, fern und schlimmstenfalls dämonisiert" erschien.
1967, zum fünfzigsten Jahrestag der Russischen Revolution, kehrte sie nach Moskau zurück, um den Dokumentarfilm „Russia: The Unfinished Revolution" zu drehen. Sie interviewte führende sowjetische Schriftsteller und Wissenschaftler – Ilja Ehrenburg, der wenige Wochen nach dem Gespräch starb, den Kinderbuchautor Korney Tschukowski und den Physik-Nobelpreisträger Igor Tamm. Die These des Films: Russlands Revolution sei „unvollendet", weil sie noch nicht in Harmonie mit den Talenten ihrer Menschen gekommen sei.
Bei diesen Dreharbeiten ereignete sich eine Szene, die Shulmans feines Gespür für die Untertöne des sowjetischen Lebens offenbart. Als sie nach Peredelkino fuhr, um Tschukowski beim Geschichtenerzählen für Dorfkinder zu filmen, wurde sie diesmal nicht von einem, sondern von zwei staatlichen „Aufpassern" begleitet. Tschukowski musterte die beiden Männer eingehend, beugte sich dann zu ihr und flüsterte mit einer subtilen Geste: „Wenn ich Sie wäre, würde ich diesen hier dem anderen vorziehen." Shulman notierte trocken: „So gut mein Instinkt für Menschen im Allgemeinen auch war, er wurde durch den Umgang mit Russen geschärft."
1971 erschien ihre Anthologie „We the Russians: Voices from Russia" bei Praeger Publishers – ein Buch, das sowjetische Stimmen für ein amerikanisches Publikum zugänglich machte und zum Standardwerk wurde.
Im Jahr 1960 heiratete Colette einen Mann, der ihre Welt teilte: Marshall D. Shulman, ebenfalls Absolvent des Russian Institute, Gelehrter, Diplomat und Gründungsdirektor des Harriman Institute. Er beriet später US-Außenminister Cyrus Vance unter Präsident Carter. Marshalls erste Frau war 1956 gestorben; Colette wurde zur Stiefmutter seiner beiden Kinder, Lisa und Michael. Ihre fast fünfzigjährige Partnerschaft war, wie das Harriman Institute schrieb, „in ihrer gegenseitigen Hingabe an das Fördern internationalen Verständnisses und den Fortschritt des US-sowjetischen Dialogs verankert". Als sie über sechzig Jahre später ihre Memoiren schrieb, ließ sich, so der Verlag, „zwischen den Zeilen die Liebesgeschichte spüren, die die Grundlage ihrer Ehe war".
Wer Colette Shulman beschreibt, kommt nicht an ihrem Witz und ihrer Eleganz vorbei. Das Harriman Institute nannte sie „eine elegante Schreiberin mit einem muskulösen Geist und einer unersättlichen Neugier auf das sowjetische Leben". Katrina vanden Heuvel sprach von „einer Frau von Anmut, Mut, Intelligenz und einem wunderbaren Sinn für Humor". Vor allem aber besaß sie eine seltene Fähigkeit: das Menschliche in politischen Systemen zu sehen. „Sie versuchte immer, die Ansicht zu vertreten, dass es in diesen Ländern Menschen gibt", sagte vanden Heuvel. „Es ist nicht nur die hohe Führung, nicht nur die Gipfeltreffen."
Sie liebte die russische Sprache und Literatur, Tolstoi und Dostojewski, die Konzerte im Moskauer Konservatorium, das Skrjabin-Museum und die Tretjakow-Galerie. In ihrer amerikanischen Heimat in Connecticut wurde sie Mitglied der Audubon Society und ging der Vogelbeobachtung nach. Was sie ablehnte, war ebenso klar: die Dämonisierung des russischen Volkes, die Reduzierung komplexer Gesellschaften auf ihre Führung, die Zensur, die Überwachung – und jede Verallgemeinerung über nationale Charaktereigenschaften. „Es war eine klare Warnung", schrieb sie, „vor Verallgemeinerungen über nationale Eigenschaften in einem so großen und kulturell vielfältigen Land wie Russland."
Als Gorbatschows Perestroika in den späten 1980er Jahren die Sowjetunion öffnete, erkannte Colette Shulman eine historische Chance. Gemeinsam mit Katrina vanden Heuvel gründete sie 1989 zunächst einen Newsletter und dann das russischsprachige Magazin „Vy i My" – „Sie und Wir" – für jene Frauen, die in der entstehenden russischen Zivilgesellschaft Nichtregierungsorganisationen aufbauten. Das Magazin wurde zur wichtigsten Plattform für Frauenorganisationen in ganz Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken; seine Artikel wurden von nationalen und föderalen Medien nachgedruckt. Die russische Journalistin Nadeschda Aschgichina urteilte: „Es ist schwer, die Bedeutung dieser Publikation zu überschätzen. Es war eine Brücke zwischen Kulturen und sozialen Praktiken."
Schon 1980 hatte sie das Programm „Women's Dialogue U.S.-U.S.S.R." mitbegründet, eines der bedeutendsten People-to-People-Austauschprogramme zwischen amerikanischen und sowjetischen Frauen. 1994 reiste sie als Beraterin des Women's Rights Project von Human Rights Watch nach Russland, um eine bahnbrechende Untersuchung über staatliche Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen durchzuführen – das Ergebnis war der Bericht „Neither Jobs Nor Justice". Brücken zu bauen, dort, wo andere nur Mauern sahen: Das war die Konstante ihres Lebens.
Bis ins höchste Alter blieb Colette Shulman geistig wach und engagiert. Noch 2022 nahm sie am Graduation Brunch des Harriman Institute teil. Und 2024, mit über neunzig Jahren, veröffentlichte sie ihre Memoiren: „When Russia Was Opening Up – A Memoir". Das Buch beginnt zwei Jahre nach Stalins Tod, als sie nach Moskau kam, und dokumentiert fast ein halbes Jahrhundert russisch-amerikanischer Geschichte aus ihrer einzigartigen Perspektive. Der New-York-Times-Korrespondent Peter Baker schrieb auf Twitter: „Lese gerade eine eindringliche Memoir der großartigen Colette Shulman, die in den 1950er Jahren die einzige weibliche amerikanische Korrespondentin in Moskau war."
Am 20. Juni 2026 starb Colette Shulman friedlich in einem Hospiz in Danbury, Connecticut, umgeben von Freunden und Familie. Sie wurde 94 Jahre alt. Die Todesursache war Darmkrebs, wie ihr Bruder Robert Schwarzenbach mitteilte. Sie starb einen Tag vor dem neunzehnten Jahrestag des Todes ihres Mannes Marshall, der am 21. Juni 2007 von ihr gegangen war.
Katrina vanden Heuvel fand bewegende Worte: „Colette Shulman wird vermisst werden. Sie war eine Frau von Anmut, Mut, Intelligenz und mit einem wunderbaren Sinn für Humor. Sie teilte mit vielen ihren Glauben an die Bedeutung des US-russischen Dialogs, an die Kraft von Frauenbewegungen, an die Notwendigkeit einer Zivilgesellschaft. Ich liebte unsere Zusammenarbeit während der Gorbatschow-Jahre, als wir ein US-russisches feministisches Journal herausgaben. Colette wird weiterhin inspirieren."
Colette Shulman hinterlässt ein Lebenswerk, das die amerikanische Wahrnehmung Russlands über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Als eine der ersten amerikanischen Frauen, die aus Moskau berichteten – und die einzige, die in den 1950er Jahren als Vollzeit-Korrespondentin beim sowjetischen Pressedepartment registriert war –, öffnete sie ein Fenster in eine Welt, die für die meisten Amerikaner verschlossen und bedrohlich war. Ihr Grundprinzip – dass hinter jedem System Menschen stehen, die es wert sind, gehört zu werden – war im Kalten Krieg radikal und bleibt heute aktuell.
Ihr Magazin „Vy i My" half, die russische Zivilgesellschaft der 1990er Jahre mit aufzubauen. Ihre Arbeit für Human Rights Watch machte staatliche Gewalt gegen Frauen international sichtbar. Am Harriman Institute, dem sie ihr ganzes Leben lang verbunden blieb, war sie Mentorin für Generationen von Studierenden und Wissenschaftlern. Das Institut, das sie als Verkörperung von „lebendiger Präsenz, Witz, Leidenschaft und raubgieriger Neugier" in Erinnerung behalten wird, soll im Herbst 2026 eine Gedenkveranstaltung zu ihren Ehren abhalten.
Was bleibt, ist das Bild einer Frau, die allein durch die Straßen Moskaus ging, Fremde ansprach und sich von keiner Geheimpolizei der Welt davon abhalten ließ, das Menschliche zu suchen. „Es gibt in diesen Ländern Menschen", lautete ihre tiefste Überzeugung. „Es ist nicht nur die hohe Führung, nicht nur die Gipfeltreffen." In diesem Satz lebt Colette Shulman weiter.
On an autumn morning in 1958, a young American woman climbed into a car and drove out of Moscow toward Peredelkino, the writers' colony nestled in the birch forests beyond the city. The night before, the world had learned that Boris Pasternak had won the Nobel Prize for Literature. By the time she arrived, the storm that would engulf him had not yet broken. She asked him a single, simple question. Pasternak answered with a fifteen-minute monologue — about the scientific achievements of the century, about the changing role of the writer, about the French translation of Doctor Zhivago that had moved him to tears. And then, after that long, flowing meditation, he circled back to her original question and answered it, as she later wrote, "simply and to the point."
"There was a childlike quality about him — a vulnerability — together with an enormous power of concentration," she remembered. "His long-boned face was full of expression and warmth — I was altogether captivated."
The woman was Colette Shulman, and that capacity to be captivated — by a poet, by a babushka on the metro, by the small human truths buried inside a vast and feared empire — would define a life that touched nearly half a century of Russian-American history. She died on June 20, 2026, in a hospice in Danbury, Connecticut, surrounded by friends and family, after a battle with colon cancer. She was 94.
She was born Colette Schwarzenbach on January 1, 1932, in New York City, and grew up in a household with no connection whatsoever to Russia. "I come from, I would call it a very Swiss, bourgeois, middle class family of farmers and teachers and winemakers and cabinetmakers," she once said. Her parents lived in Great Neck, on Long Island. There was nothing in her bloodline to explain the passion that would consume her.
That passion arrived in a classroom. After a year abroad at the University of Edinburgh, she returned to Wellesley College and stumbled into a course titled "Russia in Transition: A Century of Russian Civilization" — a journey through the history, society, and minds of Tolstoy, Dostoyevsky, and Lenin. "It absolutely fascinated me," she recalled decades later. So deeply did it imprint itself on her that, for the rest of her life, she misremembered its title — until, just before a 2017 interview, she checked the old Wellesley catalogue and discovered her error. What she had carried away was never the title, but the ideas.
The second turning point came in March 1953, just before her graduation, when Stalin died. "That opened up the question," she said, "of what would happen over there. What possibilities there might be." Wellesley, she believed, had given her something more than knowledge. "It made us feel that we could do things in life, that we could go on and explore."
She entered the Russian Institute at Columbia University in 1953, one of the few women in the program, working as an au pair to support herself, drilling Russian for two intensive years under the legendary Bob Hankin. By 1955 she held a master's degree — and was on her way to Moscow, where she ran the Anglo-American School and lived in Spaso House, the residence of the U.S. ambassador. In 1956 the bureau chief Henry Shapiro invited her into the Moscow office of the United Press. Because her name, Schwarzenbach, was too long for newspaper columns, she filed under the byline "Colette Blackmoore."
What she did next was extraordinary for the era. "During those first weeks in autumn 1956 of absorbing news agency routine, I had some free time and determined to carve out my own sphere of reporting." She simply walked — through Moscow's streets, into its shops and schools and stairwells, speaking Russian to anyone who would speak back. "I was an American journalist bent on informing readers abroad what everyday life was like in Moscow."
It was not without danger. "Everything was in place to watch us, follow us … there were plenty of them and only a few of us," she said of the secret police. "We were seriously challenged in our reporting. No travel outside Moscow without permission." And yet she found her stories in the smallest encounters — the babushka who scolded her for going hatless in winter, or who whispered as Colette tiptoed around a church to look at icons, "Devushka, eto ne muzei" — "Young woman, this is not a museum." These tiny exchanges shaped her understanding of Russian society more profoundly than any official communiqué.
She had an eye, too, for the absurd. Outside Moscow's Botkin Hospital, she once recognized the disgraced former foreign minister Dmitri Shepilov shuffling past in a dressing gown. When she greeted him, he looked her dead in the eye and replied, "You are mistaken; I am not Shepilov." The censors cut the scene from her article. When she filmed the children's author Korney Chukovsky in 1967, flanked that day by two government minders instead of one, the old man sized them up and murmured in her ear: "If I were you, I would prefer this one to the other."
When she left Moscow in 1959, UPI vice-president Roger Tatarian wrote a line that became legend: "We will never find another Colette." Back home she became a familiar voice on PBS, explaining Soviet politics, literature, and life to American audiences through her weekly program Soviet Press This Week, and in 1967 producing the documentary Russia: The Unfinished Revolution, interviewing Ilya Ehrenburg, Chukovsky, and the Nobel physicist Igor Tamm. Her 1971 anthology We the Russians: Voices from Russia carried the same conviction.
"She always tried to take the view that there are people in these countries," said Katrina vanden Heuvel, her longtime friend and collaborator. "It's not just the high leadership, not just the summits." The Harriman Institute called her "an elegant writer with a muscular mind and an insatiable curiosity about Soviet life."
In 1960 she married Marshall D. Shulman, a fellow Columbia scholar, diplomat, and founding director of the Harriman Institute. Their partnership of nearly half a century, until his death in 2007, was rooted in a shared devotion to international understanding. When Gorbachev's perestroika cracked the world open, Colette and vanden Heuvel founded Vy i My ("You and We"), a Russian-language magazine that became the central platform for women building NGOs across Russia and the former Soviet republics. "It is hard to overestimate the importance of this publication," one observer wrote. "It was a bridge between cultures."
She remained vivid and engaged to the end, attending the Harriman graduation brunch in 2022 and, in 2024, at over 90, publishing her memoir When Russia Was Opening Up. "Reading an evocative memoir by the great Colette Shulman," wrote New York Times correspondent Peter Baker, "who was the only woman American correspondent in Moscow in the 1950s."
The Harriman Institute is scheduled to hold a memorial gathering in her honor in the autumn of 2026. Shortly after her death, vanden Heuvel wrote: "Colette Shulman will be missed. She was a woman of grace, courage, intelligence, with a wonderful sense of humor… Colette will continue to inspire."
She is remembered as the woman who walked Moscow's streets alone, who listened where others lectured, and who insisted, against the grain of an entire era, that behind every system stand human beings worth hearing.